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helkesanderfilm.de

30. 04.

"Helke Sander: Aufräumen"

Filmvorführung im Filmmuseum Potsdam

Historische Umwälzungen brauchen manchmal nur einen kleinen Impuls. Und schon werden versteinerte Verhältnisse in Bewegung gebracht. Helke Sander, Ikone des Neuen Deutschen Films und der Frauenbewegung, hat vor vielen Jahren weitreichende Veränderungen in Deutschland mit ausgelöst. Die Regisseurin Claudia Richarz begleitet Helke Sander bei ihren Aufräumarbeiten mit der Kamera. Sie kommt der streitbaren Kämpferin für Frauenrechte nah und erfährt Politisches und Privates aus den letzten 60 Jahren.

Die Gewalt gegen Frauen und ihre Unterdrückung durch patriarchale Strukturen sind Helke Sanders Lebensthema. 1989 konfrontiert sie in ihrem Film "Die Deutschen und ihre Männer" eine Gruppe von Männern mit der Tatsache, dass in der Bundesrepublik Deutschland in jedem Jahr 330.000 Frauen von Männern vergewaltigt werden.

Genauso agiert sie schon zwanzig Jahre früher beim Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Seit 1967 Mitglied, stellt sie bald fest, dass die Forderungen der Frauen ungehört bleiben und gründet mit Marianne Herzog den Aktionsrat zur Befreiung der Frauen sowie die Kinderläden in Berlin. Unbezahlte Care-Arbeit, zu wenige Betreuungsangebote für Kinder, kaum Unterstützung durch die Männer bei der Kindererziehung – diese Themen sind auch heute noch, 60 Jahre später, aktuell. Auf dem Delegiertenkongress des SDS im September 1968 erklärt sie in ihrer berühmten ‚Tomatenrede‘, dass eine gesellschaftliche Veränderung ohne die Befreiung der Frauen nicht möglich ist. Die Männer kommentieren ihre Rede mit höhnischem Gelächter. Aber die neue deutsche Frauenbewegung beginnt.

Helke Sander, 1937 geboren, erlebt mit Mutter und kleinem Bruder den Dresdener Bombenangriff im Februar 1945 und kurz danach in Karlsbad die Vergewaltigungen der Frauen durch die Rote Armee. 1992 macht sie einen Film darüber: "BeFreier und Befreite". In ihrem Film kommen betroffene Frauen zu Wort, aber auch ehemalige Rotarmisten und Kinder, die durch diese Vergewaltigungen gezeugt wurden. Helke Sander war ein Leben lang politisch aktiv und hat viele politische Errungenschaften für Frauen, die uns heute selbstverständlich sind, angestoßen und aktiv umgesetzt. „Wer nachdenkt, radikalisiert sich auch.“ (H.S.)

Claudia Richarz ist Experimental- und Dokumentarfilmemacherin und Mutter von zwei Kindern. Sie war 1979 Mitbegründerin von „bildwechsel“, dem selbstverwalteten Kultur- und Medienzentrum für Frauen in Hamburg. Ende der 1990er Jahre realisierte sie zusammen mit Carl-Ludwig Rettinger für WDR/arte die Dokumentarserie „Abnehmen in Essen“ und wurde dafür mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Ihr Kinofilm „Vulva 3.0“ (zusammen mit Ulrike Zimmermann) feierte 2014 Weltpremiere auf der Berlinale. Text: helkesanderfilm.de

Anschließend: Filmgespräch mit Regisseurin Claudia Richarz
Moderation: Johanne Hoppe (Filmmuseum Potsdam)

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